Was ist neu in Grafana 12?

19 Mai, 2025

Daniel Bodky
Daniel Bodky
Senior Platform Advocate

Daniel kam nach Abschluss seines Studiums im Oktober 2021 zu NETWAYS und beriet zwei Jahre lang Kunden zu den Themen Icinga2 und Kubernetes, bevor es ihn weiter zu Managed Services zog. Seitdem redet und schreibt er viel über cloud-native Technologien und ihre spannenden Anwendungsfälle und gibt sein Bestes, um Neues und Interessantes rund um Kubernetes zu vermitteln. Nebenher schreibt er in seiner Freizeit kleinere Tools für verschiedenste Einsatzgebiete, nimmt öfters mal ein Buch in die Hand oder widmet sich seinem viel zu großen Berg Lego. In der wärmeren Jahreszeit findet man ihn außerdem oft auf dem Fahrrad oder beim Wandern.

von | Mai 19, 2025

Vergangene Woche fand die alljährliche GrafanaCON in den USA in Seattle (Washington) statt. Fans und Nutzer des LGTM-Stacks (Loki, Grafana, Tempo, Mimir) wissen, was das bedeutet: ein neuer Grafana Release! Folgerichtig geht es heute nur um ein Thema: Was ist neu in Grafana 12?

Als Nutzer und Anbieter von Grafana OSS im Rahmen unserer Managed Prometheus App haben auch wir das mit Workshops, Demos und Talks gespickte Event natürlich engstens verfolgt und können euch heute unsere Highlights präsentieren. Einen vollumfänglichen Überblick gibt es natürlich wie immer in den offiziellen Release Notes.

Observability as Code – Integriere Grafana (fast) wie du willst

Ein Thema, das in vielen Demos und Beiträgen zur Sprache kam, war die Einführung einer neuen Dashboard API sowie die Vorstellung eines neuen Dashboard Schemas. Viele der eigentlichen Features in Grafana 12 wie beispielsweise Git Sync oder Dashboardtabs werden durch diese Änderungen im Hintergrund erst möglich.

Was ist neu in Grafana 12?

Folgerichtig stellte Grafana in den Demos die neuen Möglichkeiten auch direkt in den Vordergrund, vom bereits erwähnten Git Sync über eine neue CLI zu neuen Terraform Ressourcen. Die durch diese Neuerungen geschaffenen Möglichkeiten sind vielfältig, weshalb wir eine kostenlose, interaktive Demo geschaffen haben, die dich durch die Features führt – probiere es gerne einmal aus!

Observability as Code mit Grafana 12 im NWS Playground

Probiere die neuen Funktionen in Grafana 12 in unserem interaktiven und kostenlosen Playground an praktischen Beispielen aus!

Two-Way Git Sync

Das aus unserer Sicht beeindruckendste neue Feature ist wohl Git Sync. Mit dessen Hilfe ist es nun möglich, den Zustand der gesamten Grafana Instanz oder einzelner Dashboard Ordner mit einem konfigurierten Repository in GitHub zu synchronisieren. Wem die Funktionsweise von GitOps ein Begriff ist, für den mag das bekannt klingen.

Hierbei werden mehrere Modi unterstützt:

  • eine komplette Synchronisierung aller in Grafana enthaltenen Ordner und Dashboards mit einem GitHub Repository
  • eine selektive Synchronisierung von bis zu 10 in Grafana enthaltenen Dashboardordnern mit einem GitHub Repository

Je nach Nutzung der Grafana Instanz können so beispielsweise die Dashboards verschiedener Teams mit verschiedenen Repositorys synchronisiert werden, oder man sichert direkt das gesamte Grafana als Ganzes ab.

Das Setup von Git Sync geschieht über ein simples, dreistufiges Formular.

Nach initialer Konfiguration lassen sich weitere Feinheiten einstellen:

  • Dashboards können auf readonly gesetzt werden. Dadurch werden Dashboards ausschließlich auf GitHub verwaltet und sind in Grafana nicht mehr editierbar.
  • Änderungen in der Grafana UI können als Pull Requests in GitHub veröffentlicht werden.
  • Optional kann ein Vorher/Nachher Preview von Dashboardänderungen in Pull Requests aktiviert werden.

Grafanas UI gibt einem darüber hinaus einen ausführlichen Überblick über die konfigurierten Repositories, deren Synchronisationsstatus und -Historie. Wir sehen diese Neuerung vor Allem für folgende Anwendungsfälle als sehr interessant:

  • Disaster Recovery: Durch die ständige Synchronisation der gesamten Grafana Instanz – oder einzelner Dashboardordner – mit GitHub ist eine Wiederherstellung der Daten im Fehlerfall trivial. Man verknüpft lediglich das entsprechende Repository neu und stößt die initiale Synchronisation an.
  • Audit und Compliance: Hat man spezifischen Prozessen zu folgen, wenn man Dinge in Grafana ändern möchte, ist das in GitHub deutlich einfacher abzubilden als mit Grafanas UI. Versionierung, Reviews, und automatische Tests von Änderungen an Dashboards sind in GitHub einfach umsetzbar.
  • Observability as Code: Sind viele in Grafana genutzte Dashboards kurzlebig oder werden oft geändert, wie bspw. bei automatisch generierten Diagrammen der Fall, nimmt dieser Ansatz viel Arbeit ab. Nach der Generierung können Dashboarddefinitionen auf GitHub veröffentlicht werden, und Grafana synchronisiert diese automatisch.

Grafana in CI/CD und im Terminal

Wer schon einmal Pipelines für Continuous Integration (CI) bzw. Continuous Deployment (CD) gebaut hat, weiß, dass gerade im „CD-Teil“ oft mit externen Systemen interagiert werden muss. Schließich möchte man die in der Pipeline getesteten oder generierten Artefakte ausrollen. Oft kommt hierfür cURL für API-Calls oder eine dedizierte CLI wie kubectlargocd, usw. zum Einsatz.

Eine solche CLI bietet nun auch Grafana an: grafanactl ermöglicht es dir, kontextbasiert mit verschiedenen Grafana-Instanzen zu interagieren. Das Projekt ist Open Source, momentan in Version v0.0.6 verfügbar, und kann auf Linux, macOS und Windows installiert werden.

Momentan werden einige Ressourcentypen unterstützt, die gepusht, gepullt, editiert und gelöscht werden können:

  • Dashboards
  • LibraryPanels
  • Folders
  • Playlists
  • Jobs
  • Repositories

In Zukunft wird der Funktionsumfang der CLI sicherlich noch anwachsen – bereits jetzt ist es aber ein praktisches Werkzeug, um im Wechsel mit mehreren Grafana Instanzen (z.B. Dev und Prod) zu interagieren, Änderungen aus Pipelines heraus zu triggern, usw. Die Dokumentation der CLI inklusive Installationsanleitung findest du hier.

Neue Terraform Ressourcen

Auch die neuen Terraform Ressourcen sind in der Observability as Code Ecke zu verorten. Sie bauen auf der neuen Dashboards API sowie dem neuen Grafana Apps Framework auf und bieten einfachere Konfiguration, die sich vermutlich in Zukunft stärker von den bisherigen Ressourcen unterscheiden wird.

Die bereits vorhandenen neuen Ressourcen sind:

Auch wenn die momentanen Unterschiede zu bestehenden Ressourcentypen noch nicht gravierend sind, lässt sich eine Richtung erahnen, und auf einfachere, spezifischere Provisionierung von Grafanaressourcen mit Terraform hoffen.

Dynamische(re) Dashboards – Weniger ist mehr

Grafana ist ein beliebtes Hilfsmittel in kritischen Situationen. Egal ob Fehlermeldungen im Onlineshop, plötzliche Neustarts mehrerer Server, oder vollgelaufene Festplatten: In Grafana gibt es Dashboards, die helfen können. Blöd nur, wenn diese dann unübersichtlich gestaltet sind, viel zu viele Panels enthalten, oder sich Daten einfach nicht finden lassen.

Was ist neu in Grafana 12?

Um für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen, hat Grafana 12 nun einige Änderungen für dynamischere Dashboards eingeführt. Der Fokus lag hierbei vor Allem auf der Zusammenführung von Panels mit relatierten Inhalten, und einer besseren Darstellung kontextueller Informationen.

Panelgruppen

Mehrere Dashboardpanels lassen sich in Grafana 12 zu Reihen oder Tabs zusammenfassen, beispielsweise um Informationen zu gruppieren. Dabei können Tabs und Reihen kombiniert und verschachtelt werden, was ganz neue Möglichkeiten der Darstellung bietet.

Das gezeigte Dashboard besitzt zwei Tabs, mit Untergruppierungen von Panels in Reihen

Dynamische Anzeigen

Für noch bessere kontextbasierte Darstellungen können Tabs und Panel je nach gesetzten Variablen oder ausgewählter Timerange ein- bzw. ausgeblendet werden.

So könnten beispielsweise Panelgruppen zur Visualisierung langfristiger Trends ausgeblendet werden, wenn die aktuelle Situation (bspw. ein Incident) einen Fokus auf Live-Daten und den momentanen Zustand der Systeme erfordert.
Alternativ könnte man Panelgruppen ausblenden, die für gesetzte Variablen keine Daten liefern.

Verbesserte Navigation und Bearbeitung von Dashboards

Diese neuen Features können für intuitivere, aber auch umfangreichere Dashboardkonfigurationen sorgen. Deswegen hat Grafana 12 einige Verbesserungen rund um die Naviation und Bearbeitung von Dashboards mitgeliefert.

Unter anderem gibt es nun ein Outline der Panelstruktur innerhalb eines Dashboards, ähnlich dem in Software-IDEs. Hierdurch lässt sich auch in verschachtelten Tab-Reihen-Tab-Strukturen der Überblick behalten und schnell zwischen einzelnen Gruppierungen hin- und herspringen.

Zusätzlich ist das Menü zur Bearbeitung von Dashboardpaneln jetzt kontextuell – man kann also mit wenigen Klicks Reihen, Tabs, oder einzelne Panel bearbeiten, ohne sich erst in das entsprechende Untermenü klicken zu müssen.
Je nach Kontext sind auch unterschiedliche Quickactions verfügbar, bspw. zum Duplizieren von Panelgruppen oder Anpassen des Layouts.

Drilldown Apps – Behalte den Überblick

Drilldown Apps waren in der ein oder anderen Art und Weise bereits vor Grafana 12 verfügbar, machen nun aber einen gewaltigen Sprung nach Vorne: Drilldown Views für alle Observability Signale (Metriken, Logs, Traces und Profiles) sind mit Grafana 12 für alle Nutzer verfügbar und haben hier und da erhebliche Verbesserungen erfahren.

Was ist neu in Grafana 12?

Die Drilldown Apps für Metriken und Logs bieten neue Filteroptionen, bspw. durch Regex-Support. Darüber hinaus gibt es neue Möglichkeiten der Visualisierung und einen neuen Ansatz, der ganz ohne das Schreiben von Querys auskommt (queryless).
Die Drilldown App für Traces ist nun auch aus dem Beta-Status herausgewachsen und für alle Nutzer verfügbar und taucht in der Drilldown Sektion des Hauptmenüs auf.

Generell wurden bei allen Drilldown Apps auch weitere Anpassungen vorgenommen, die die Arbeit erleichtern: Egal ob neue Visualisierungen, zusätzliche Tools bspw. zur Darstellung von JSON, oder eine intuitivere Navigation – Drilldown Apps ermöglichen es Nutzern besser denn je, Korrelationen (oder Unterschiede) zwischen verschiedenen Observability-Signalen zu visualisieren und Schlüsse daraus zu ziehen.

Die Metrics Drilldown App setzt verschiedene Dimensionen beobachteter Signale in Bezug – bspw. die genutzte CPU-Zeit pro Modus.

Builtin Themes – Dein ganz persönliches Grafana

Die besten Updates bringen aber nicht nur neue Funktionalität und verbesserte Stabilität, sondern auch was für’s Auge. Und so gibt es in Grafana 12 einen ersten Ausblick auf komplett neue UI-Designs, von denen es in Zukunft evtl. noch mehr geben wird.

Was ist neu in Grafana 12?

Für’s Erste können Nutzer in Grafana 12 neben den existierenden Themes Light und Dark aus 5 neuen Themes wählen:

  • Desert Bloom, ein helles Theme mit hellen Pastelltönen
  • Gilded Grove, ein dunkles Theme mit starken Kontrasten
  • Gloom, ein warmes, dunkles Theme
  • Sapphire Dusk, ein dunkles Theme in Blautönen
  • Tron, ein an die gleichnamigen Filme angelehntes dunkles, futuristisches Theme

Zu betonen ist, dass alle neuen Themes vorerst experimental sind. Es kann also hier und da kleine Unzulänglichkeiten in den jeweiligen Themes geben.

Grafana 12 – ein alter Freund in neuem Gewand

Im Großen und Ganzen lässt sich die Frage „Was ist neu in Grafana 12?“ mit „Eine Menge!“ beantworten. Die hier vorgestellten Neuerungen sind nur die Spitze des Eisbergs – viele Features kommen gar nicht zur Ansprache. Eine komplette Übersicht über alles NeueBreaking Changes und wegfallende Funktionen findest du im exzellenten Release-Post von Grafana selbst.

Wir freuen uns auf jeden Fall darauf, in unserer Grafana-Umgebung in Zukunft mehr Farbe und Funktionalität sowie eine einfachere Bedienung für viele täglich genutzte Features zu haben, die uns beim zuverlässigen Betrieb von MyNWS und der NETWAYS Cloud helfen.

Wenn du direkt selbst einmal ausprobieren möchtest, wie sich Grafana 12 live und in Farbe anfühlt, möchten wir dir noch einmal unseren interaktiven und kostenlosen Playground ans Herz legen. Ansonsten gilt wie immer: Bis zum nächsten Blogpost vom NWS Team!

Unser Portfolio

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wie hat Dir unser Artikel gefallen?